Die Lüge des Monsooned Malabar

Herkunft und Geschichte

Früher wurde der Rohkaffee aus Indien per Segelschiff nach Europa transportiert. Die Holzschiffe fuhren von Indien um das Kap der guten Hoffnung und waren ca. 6 Monate unterwegs. Die Feuchtigkeit und der Meereswind  haben für eine vorzeitige Alterung des Rohkaffees gesorgt. Er hat sich dabei in Grösse, Aussehen und Struktur stark verändert. Auch in der Tasse war der Geschmack ganz anders als noch zuvor in Indien.

 

 

Mit den heutigen modernen Schiffen und Containern hat sich die Fahrzeit massiv verkürzt und die Bohnen sind besser geschützt. Als Folge daraus war der Geschmack des Kaffees in Europa nicht mehr derselbe wie gewohnt. Also haben die Produzenten/Exporteure damit begonnen, den vorzeitigen Alterungsprozess bereits in Indien durchzuführen. Dabei wird der Kaffee während 3 - 4 Monaten wird dem Regen und den Monsun-Winden ausgesetzt. Das bewirkt erneut, dass der Kaffee anschwillt, ausbleicht und rasch altert. Der Monsooned Malabar ist in Indien geschützt und wird nur in Indien an der Malabar-Küste von Kanataka und Kerala produziert.

 

 

 

Geschmack und Eigenschaften

Das Geschmacksprofil bewegt sich im Bereich: Erde, Leder, Gewürze, Nuss, Schokolade, Gemüse, Gummi, Holz, modrig, bitter, kantig, etc. Der Kaffee ist schwer und leider meist unangenehm im Mund. Monsooned Malabar produziert eine immense Crema, welche bei Kaffeetrinkern (fäschlicherweise) sehr beliebt ist. Aufgrund dieser Crema und wegen des Geschmacks wird der Kaffee sehr häufig als Robusta-Ersatz in Mischungen verwendet.

 

Die Röstung

Aufgrund seines speziellen Verarbeitungsprozesses muss der Monsooned Malabar anders geröstet werden als z.B. ein gewaschener Kaffee aus Guatemala. Oftmals beachten Kaffeeröster dies leider nicht und verbrennen den Kaffee leichtfertig.  Im Bild links sieht man einen typischen Röstfehler, der besonders bei Malabar immer wieder auftritt. Wir wurden dazu schon öfters um Rat gefragt. Diese Abplatzer gilt es zu vermeiden. 

 

Wird der Kaffee hell geröstet ist er geschmacklich nur schwer geniessbar und sehr nahe an einem x-beliebigen Standardkaffee. Wird er dunkel geröstet, dann ist er etwas erträglicher aber (wie oben beschrieben) fast immer verbrannt, sehr porös und lädt sich bei der Mahlung stark statisch auf. 

 

Wo liegt das Problem?

Monsooned Malabar ist enorm populär. Ich behaubte das 50% aller Kaffeeröstereien (wir übrigens auch) in der Schweiz schon einmal Monsooned Malabar im Sortiment hatten. Eine Suche bei Google nach Monsooned Malabar in der Schweiz zeigt die Verbreitung deutlich. Von klein bis gross. Sehr viele Röstereien führen Monsooned Malabar. Ebendieser Malabar wird heute im Handel als Spezialitätenkaffee vermarktet und verkauft. Das ist schlicht falsch und eine einzige Lüge.

 

Warum? Spezialitätenkaffee bezeichnet einen einzigartigen Kaffee, der in sehr limitierter Menge verfügbar ist, zum Produzenten zurück verfolgt werden kann und eine geschmackliche Qualität von mindestens 80 von 100 möglichen Punkten (gem. Definition SCA) erreicht.  Nach meiner Erfahrung ist das aber nicht realitätsgerecht. Eine Punktzahl von 84 für Spezialitätenkaffee hat sich über die letzten Jahre als Untergrenze bei Röstereien etabliert. Professionelle Verkostungen (z.B. Cup of Excellence) verlangen mittlerweile gar 86 resp. 87 Punkte für Ihre Versteigerungen. Ein Malabar erreicht in einer professionellen Verkostung mit Arabica Spezialitätenkaffees eher 80 Punkte und weniger. Er liegt damit im Bereich des Standardkaffees. Kommt hinzu, dass heute die Saisonalität bei Kaffee beachtet wird. Das bedeutet je frischer der Rohkaffee in der Rösterei ankommt umso besser. Spezialitätenkaffee wird häufig vakuumiert oder in speziellen Säcken transportiert und gelagert um eine rasche Alterung und damit geschmackliche Verschlechterung zu vermeiden. Bei Malabar geschieht mit dem monsooning genau das Gegenteil: Lagerung bis 6 Monate und vorzeitige Alterung der Rohkaffees. Dadurch wird die (wünschenswerte) Säure, Süsse und Fruchtigkeit reduziert. Der Kaffee nimmt Fehlaromen auf und wird weitgehend herb, modrig, nussig und ungeniessbar. Dadurch, dass der Kaffee viel Crema entwickelt, wird der Malabar oftmals als Robusta-Ersatz in Mischungen verwendet. Dadurch ist es dem Röster immer noch möglich "100% Arabica" auf die Kaffeepackung zu schreiben ohne die Crema oder Körper zu verlieren. Marketing halt. Geschmacklich wird die Mischung dadurch kaum besser. 

 

Fazit: Monsooned Malabar wird nur als Spezialitätenkaffee bezeichnet weil er eine Geschichte hat und einfach zu vermarkten ist. Diese Bezeichnung hat er jedoch aus objektiver geschmacklicher Beurteilung nicht verdient! Alle Röstereien, die Monsooned Malabar als Spezialitätenkaffee verkaufen, schaden dem Spezialitätenkaffeemarkt und werten die "echten" Spezialitätenkaffees ab. 

 

So, das musste mal gesagt werden. Ich bin offen für Kommentare diesbezüglich. Seid Ihr meiner Meinung? 

 

Liebe Grüsse aus der KAFISCHMITTE

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Rolf Kamphausen (Donnerstag, 02 Mai 2019 10:04)

    Das Thema bin ich noch ausgeschmückt mit ein paar Extraargumenten (z. B. Wurmbefall) mal im Kaffeenetz (lange ist es her) angegangen.
    Weil da "Monsooned Malabar" extrem gehypt wurde.
    Vor allem wegen der phantastischen Crema:-):-):-)
    Sozusagen als Goldstandard unter den Kaffees.
    Das schmerzt natürlich.
    Daraus ergab sich dann ein langes und zähes ringen.
    Wenn ich einen Malabar auf der Kaffeeliste eines Rösters sehe ist das für mich auf jedenfall ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ich mir gerade eine Rösterei und keine Spezialitätenkaffeerösterei anschaue;-)

  • #2

    René Fleischer (Freitag, 03 Mai 2019 23:43)

    Hallo zusammen,

    Grundsätzlich stimme ich dem Artikel in den meisten Bereichen zu. Jedoch muss ich „Oberlehrer“ etwas korrigieren. Es ist nicht richtig das Spezialitäten Kaffees mindestens 84 Punkte haben müssen. Ab 80 Punkten spricht man von einem Spezialitäten Kaffees. Des Weiteren gibt es Produzenten die den Mosooned Prozess sehr kontrolliert vollziehen und dafür hochwertige Kaffees verwenden. Man kann sich sicherlich darüber streiten, wie schade es ist tolle Bohnen für so etwas zu nutzen, aber es schmälert nicht die Bemühungen etwas gutes oder geschmacklich anderes zu produzieren. Sollte dann die Tasse am Ende Sauber und Süss sein und keine Fehler haben und zu dem noch schokoladig und würzig sein, mit Noten von Zedern Holz, Tabak und Muskat. So kann auch dieser Kaffee zum Spezialitäten Kaffee werden. Denn immer nur Blaubeere, Jasmin und Steinfrüchte, mit intensiver Süsse, oder Säure muss es ja auch nicht immer sein. Daher finde ich es ein wenig übertrieben hier grundsätzlich von einer Lüge zu sprechen. Aber ich gebe dir Recht die wirklich guten Monsooned sind selten geworden, was sie sicherlich auch zu einem Spezialitäten Kaffee macht. Gruss René

  • #3

    Roger Wittwer / KAFISCHMITTE (Samstag, 04 Mai 2019 16:27)

    Hoi René

    Danke für Deinen Kommentar. Du hast bezüglich der Punkte natürlich Recht. Ich habe das korrigiert. Aber die 80 aus dem Jahre 2009 sind wohl nicht mehr ganz zeitgerecht. Aber das spielt für die Definition keine Rolle. Ich kenne bisher keinen Malabar, der bei mir über 80 Punkte erhalten hätte. Wenn Du mal über einen stolperst, dann darfst Du mir sehr gerne ein Muster senden. Ich bin nämlich wie Du auch der Meinung, dass guter Kaffee nicht nur fruchtig, blumig, süss und sauer sein soll. Leider findet man richtig gute schokoladig-würzige Kaffees ohne Fehler nur selten. LG Roger

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