Unser Transparenzbericht 2019 und etwas Frust

Der Volksmund sagt "Tue Gutes und sprich darüber". Aber auch: "Eigenlob stinkt". Was ist jetzt richtig? 

 

Wir sind in den letzten Wochen und Monaten etwas ruhiger geworden. Es ist nicht so, dass wir weniger rösten, handeln, degustieren, schulen oder Kaffee kochen. Wir hängen bloss nicht mehr jede Tätigkeit und Kleinigkeit an die grosse Glocke. Wir machen uns Gedanken, was und wie wir kommunizieren wollen. 

 

Ein schönes Beispiel dafür ist unser Transparenzbericht 2019. Ich bin sehr stolz darauf, wie transparent, ehrlich und fair wir in unserer kleinen KAFISCHMITTE mit den Kaffeebauern umgehen. Das haben wir auch schon zig mal öffentlich dargestellt. Wir zahlen Rohkaffeepreise, die weit über allen Branchenstandards liegen und publizieren diese Preise seit Jahren öffentlich. Unsere Beziehungen zu den Kaffeebauern sind langjährig und persönlich. Zusätzlich zu den Einkaufspreisen haben wir auch unsere Preiskalkulation veröffentlicht, die zwar nicht mehr brandaktuell aber auch heute noch weitgehend korrekt ist. Somit kann sich unser Kunde, Mitbewerber oder wer auch immer umfassend über unsere Kosten informieren. Es gibt bei uns keine Geheimnisse.

 

Aber hier beginnt unser Dilemma: Am 11. Juli 2019 sind wir zeitgleich mit den geschätzten Kollegen von den Kaffeemachern aus Basel einer neuen Transparenzbewegung im Kaffeesektor beigetreten: "The Pledge - A common code for transparency reporting in green coffee buying". Mittlerweile haben sich dieser Bewegung international noch nicht ganz 50 Firmen angeschlossen. Darunter viele Röstereien die zu den weltbesten gehören und durchaus als Pioniere im direkten Kaffeehandel bezeichnet werden dürfen. Aus der Schweiz sind seither keine weiteren Röstereien oder Händler mehr beigetreten. Wer bei The Pledge mitmachen will muss im Minimum für einen (1!!) Kaffee aus seinem Sortiment die Einkaufespreise (FOB/Free on Board) und die Beziehung zu seinem Kaffeebauern offenlegen. Das sollte für jeden selbsternannten fairen Spezialitätenröster (wie wir es auch sind) problemlos möglich sein. Wir haben das sofort gemacht und in unserem Transparenzbericht 2019 veröffentlicht. Das wäre nun der Zeitpunkt gewesen diesen wundervollen Akt der Transparenz an die Öffentlichkeit zu tragen und uns selbst zu loben. Eigentlich hatte ich das auch vor. Ganz ehrlich. Ich habe es dann aber nicht gemacht. Warum nicht? Ich bin es leid uns selbst zu loben, wenn die Industrie es nicht schafft sich weiterzuentwickeln. Natürlich ist auch die KAFISCHMITTE ein Teil der Kaffeeindustrie. Unser Markteinfluss ist minimal, denn die KAFISCHMITTE ist und bleibt klein.  Wir können feiern wie ehrlich und fair wir arbeiten, aber eigentlich sollte unsere Arbeitsweise keine Ausnahme sondern der  Branchenstandard sein. Es fühlt sich einfach nicht korrekt an, wenn wir uns für etwas rühmen, was wir besser machen als andere Firmen, nur weil diese ethische und moralische Grundsätze missachten. Nach wie vor ist es für mich erschreckend zu sehen, wie arrogant sich die internationale Kaffeebranche präsentiert, sich gegenseitig auf die Schulter klopft, sich an Messen und Events zelebriert und sich als innovative, aufstrebende und faire Gesellschaft ins Rampenlicht drängt. Mit ein wenig Distanz betrachtet gelange ich immer wieder zum selben Schluss: Der Kaffeebauer bekommt zuwenig Geld und Wertschätzung für sein Produkt. Das war vor 20 Jahren so und hat sich nicht verändert. Als Industrie haben wir es bisher nicht geschafft, die Grundlage - den Kaffeehandel - ehrlich, transparent und fair zu gestalten. Note ungenügend. Setzen!

 

Aber ja, the Pledge wäre ein super Ansatz. Mit viel Transparenz erhöht man den Druck auf alle intransparenten Akteure im Kaffeesektor. Das wiederum hätte zur Folge, dass die Kaffeeeinkaufspreise gerechter würden. Letztendlich würde das uns und der Kaffeebranche guttun. Dann würde ich uns und die Kaffeebranche gerne wieder etwas mehr loben.

 

Zu unserem grossen Glück haben wir sehr treue Kunden, die uns nicht vergessen auch wenn wir nicht wöchentlich Newsletter versenden. Diese Loyalität hilft uns, unsere guten Taten neutral und ohne zu viel Eigenlob zu kommunizieren. 

 

Danke dafür!

 

Roger Wittwer

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